Die Wonnen der Gewöhnlichkeit

Ice, Baby, Ice

Ein Eis lutschen, Fünfe grade sei lassen und den großen Bedeutungszuteiler im Hirn (“alles so wichtig, alles so relevant, alles so überaus publizistisch”) ruhig mal abschalten. Ich gebe Patrick völlig recht: dem Mäandern der Gedichterkette jenseits der Geek-Blogs zuzuschauen, macht einfach Freude. Nein, ich bin kein Geek, ich bin inzwischen 47 Jahre, Familienvater, habe tausend verschiedene Interessen – und keins davon so, dass es auf Dauer ein eigenes wichtigwichtiges Themenblog rechtfertigen würde. Aber muss es überhaupt immer wichtig sein? Themenspezifisch? Geekig? Sofort fiel mir auch wieder ein, was ich vor ein paar Tagen bei Hinterlektuelles gelesen hatte und was mich so lange ins Nachdenken brachte, dass ich am Ende glatt vergaß, dort einen Kommentar zu hinterlassen: Ich neige ja auch ein wenig dazu, meine virtuellen Identitäten auseinanderzuklamüsieren. Vielleicht werde ich das im neuen Jahr ändern und einfach wieder mehr drauflosreden hier, über Gott und die Welt und die ganz, ganz kleinen Dinge, die beim An- und Ausziehen für den Schneespaziergang passieren. Weiß noch nicht, wo das hintreibt im Meer all der anderen guten Vorsätze. Danke jedenfalls an Radulf Rumpel und Pedde für das Gedichtstöckchen; es hat auch bei mir etwas ausgelöst

Übrigens: erstes Bild hier mit neuer Cam.

11. Januar 2009, Blogs Hund

Kommentare

  1. Letzlich sind es die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen.

    April · 12. Januar 2009 · #


  2. Öffentliche Relevanz entsteht m.E. hauptsächlich aus Geltungsbedürfnis auf der einen und Orientierungsbedürfnis auf der anderen Seite. Sie ist eine Illusion. Wer sich davon allzu sehr beeindrucken lässt, übersieht imo leicht die wirklich wichtigen Dinge im echten Leben.

    Iris · 12. Januar 2009 · #


  3. Ich melde mich hier mal ganz ungefragt und werfe die Frage auf, wie der portugiesische Dichter mit den vielen verschiedenen Persönlichkeiten, Fernando Pessoa, wohl das Web 2.0 gefunden hätte. Eins ist sicher: er hätte die Sorge mit den wechselnden Identitäten nicht gehabt… ;)

    — Tiago · 14. Januar 2009 · #


  4. Tiago, eine interessante Frage. Ich denke, dass verschiedene Web-Identitäten in den meisten Fällen eigentlich eher Pseudonyme (verschiedene Namen, aber gleiche Biographie dahinter) und keine Heteronyme http://de.wikipedia.org/wiki/Heteronym (verschiedene Biographien) sind. Aber da muss ich mal genauer drüber nachdenken. :)

    — Andreas · 14. Januar 2009 · #


  5. Hmm, diese These erscheint auch logisch, Andreas.
    Ich hab’ etwas überlegt und diesbezüglich auch eine Überlegung(..oh Wunder!), aber ich tue mich schwer diese adäquat… in Worthülsen zu gießen.

    Lass es mich so sagen:

    Ich glaube, dass mit nur einer existierenden Biografie sehr viel mehr angefangen werden kann als gedacht – im richtigen Leben und damit natürlich auch im web 2.0. Dieser Gedanke geht von der einfachen Idee aus, dass wir zwei- drei- oder gar viergleisig fahren, in dem Sinne, dass wir im Laufe unseres Lebens verschiedene (in sich konsistente) Persönlichkeiten kreieren. Jede Persönlichkeit ist durch eine ganz eigene Palette an Facetten gekennzeichnet. Wobei diese Persönlichkeiten zugegebenermaßen nicht ganz unabhängig von einander sein können und das Ausmaß der Unterschiede zwischen ihnen nicht zwingend ein großer sein muss.

    Dadurch, dass Pessoa den aus seiner eigenen Psyche kreierten Kunstgeschöpfen (hier Heteronyme: Pseudoautoren) nicht nur verschiedene Denkweisen sondern auch verschiedene Biografien (!) vergeben hat, ist er nicht einen Schritt weiter gegangen, nein, er hat mit den angehängten Biografien nur den letzten Schliff gemacht, um seine Persönlichkeitsspaltung in Form des künstlerischen Schaffens zu verarbeiten.

    Wir entwickeln diese eigenständigen Persönlichkeiten und die von ihr abhängigen Facetten z.B., weil wir uns besser an ein bestimmtes Umfeld anpassen müssen, um bestimmte Ziele zu verwirklichen oder weil wir einen Neuanfang machen und uns die Möglichkeit geradezu geboten wird, sich von den eigenen Fesseln zu lösen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Denn auch Pessoas auf den ersten Blicken unabhängige Heteronyme, sind an ihm gebunden.

    Je nach dem switchen wir von einer Persönlichkeit zur anderen, selten tun wir das bewusst. Die meisten Prozesse der Erkennung von denen für das Switchen der Persönlichkeiten oder Facetten relevanten Umgebungen und Personen sowie die Vollstreckung des eigenen Switchens, verselbsttändigen sich mit der Zeit. Und das ist völlig normal, unter der Bedingung, dass man jederzeit eingreifen und sich bewusst diese psychischen Prozesse steuern kann. Wenn das nicht möglich ist, kann man von einer multiplen Perösnlichkeitsstörung sprechen, so meines Wissens.

    Aber auf was will ich eigentlich hinaus?

    a.) Dessen ungeachtet, dass Pseudonyme prinzipiell zur Wahrung der Anonymität dienen, agieren sie in ihrem Umfeld als eigene Individuuen. Dass die Denkmuster mit denen der dahinter stehenden Person und den anderen von ihr entwickelten Pseudonymen identisch sind, mag ich insgesamt sehr starkt zu bezweifeln.

    und b.)

    Pessoa hat verinnerlicht, wie er sich in verschiedenen Identitäten bewegen kann. Deshalb wäre er nur ganz schwer durcheinander gekommen. ;)

    — Tiago · 14. Januar 2009 · #


  6. oh neue ausrüstung! 18x zoom, respekt ;o) hatte ich auch mal in der hand, bevor ich mich doch lieber wieder in die welt der wechselobjektive begab und evtl. etwas vorsprung im hohen isobereich ergatterte.. bin sehr gespannt auf die 2009 bilder, lg, anne

    annieone · 17. Januar 2009 · #


  7. ps: andere haben’s ja einfach echt nicht so schön:

    www.spreeblick.com/2009/01/16/unser-burohund-ubt-folgendes/

    annieone · 17. Januar 2009 · #


  8. Yep, Frauchen schleppt nicht so gern Equipment mit sich rum, insofern denke ich, guter Kompromiss ohne Spiegel, und da wir doch meistens bei Tageslicht unterwegs sind, dürfte in der Mehrzahl der Fälle sowieso bei 200, max. 400 ISO Sense sein, so dass die Rauschgefahr nicht so dramatisch sein wird.

    Mal auf Langzeiterfahrung von Frauchen gespannt, aber erster Eindruck von Handling und Bildqualität sehr erfreulich. Nun, wir werden sehen, was das Jahr an Ausbeute bringt. :)

    wg. Bürohund: da lahmt Herrchen ja schon vom Hingucken! =./

    — Andreas · 17. Januar 2009 · #


  9. na..? is die neue doch zu schwer zum rumtragen oder was is hier los.
    oder auch umgestiegen auf einen gesichtslosen praktisch-pflegeleichten lifestream à l’admartinator.de ..? seufz.

    s.a. micro media trend

    — annieone · 17. Februar 2009 · #


  10. Ganz im Gegenteil, Billiarden von Fotos wurden schon heimgeschleppt, man kommt nur kaum zum Sichten! Mal am Wochenende schauen. Einstweilen kann ich für goldenen Augenschmaus nur auf den aktuellen Abschlussjahrgang der besten Züchterin der Welt verweisen:

    http://www.freakalive.de/holunderhuette/zucht.html

    — Andreas · 18. Februar 2009 · #


Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen




Navigation:

Startseite

Impressum

Image XML-Feed

Layout basiert auf YAML